
Geschichte
Zweitausend Jahre
im Glas
Die Geschichte des Apfelweins ist die Geschichte Hessens selbst — geprägt von Bauern und Bürgern, von Klöstern und Kneipen, von Kriegen und Wiedergeburt. Kein anderes Getränk trägt die Seele dieser Region so tief in sich wie der Ebbelwoi.
ca. 100 n. Chr.
Römische Wurzeln
Die Römer brachten den Apfelanbau in das Gebiet des heutigen Hessens. Archäologische Funde belegen, dass bereits in der Römerzeit Äpfel vergoren wurden — ein einfaches Verfahren, das Haltbarkeit und Genuss vereinte. Die fruchtbaren Täler des Mains und des Taunus erwiesen sich als ideale Anbaugebiete.
8.–12. Jahrhundert
Klöster & Klosterkeller
Im Mittelalter waren es vor allem Klöster, die die Obstkultur systematisch pflegten. Mönche kultivierten Apfelsorten und verfeinerten die Kelterung. Der Apfelmost — damals noch wesentlich grober als heute — diente als günstiger und haltbarer Ersatz für teures Trinkwasser oder Bier. Klöster wie Fulda und Lorsch spielten dabei eine wichtige Rolle.
16.–18. Jahrhundert
Frankfurter Stadtkultur
In Frankfurt am Main entwickelte sich eine eigene Apfelweinkultur. Die Stadt war ein bedeutender Handelsknotenpunkt, und mit dem Wohlstand wuchs auch der Genuss. Erste Apfelweinwirtschaften entstanden in Sachsenhausen, dem Viertel südlich des Mains, das bis heute das Herz der Ebbelwoi-Kultur geblieben ist. Handwerker, Bürger und Kaufleute trafen sich hier zum Ausschank.
1754
Die Pest und der Ebbelwoi
Eine der bekanntesten Legenden besagt, dass der Frankfurter Rat während einer Pest-Epidemie den Bierbrauern das Handwerk untersagte — und die Bürger daraufhin auf Apfelwein umstiegen. Ob dies der historischen Wahrheit entspricht, ist umstritten. Fest steht aber: Ende des 18. Jahrhunderts war der Apfelwein in Frankfurt allgegenwärtig und fest in der Alltagskultur verankert.
19. Jahrhundert
Industrialisierung & Blütezeit
Mit der Industrialisierung wuchs Frankfurt rasant. Die Arbeiterklasse trank Apfelwein — er war günstig, stärkend und lokal verfügbar. Die Apfelweinwirtschaften in Sachsenhausen wurden zu sozialen Zentren. Bekannte Wirtschaften wie "Zum Gemalten Haus" oder "Wagner" entstanden in dieser Zeit und gelten bis heute als Institutionen. Auch der ikonische Bembel-Krug und das Geripptes-Glas wurden in dieser Epoche zur Norm.
20. Jahrhundert
Krieg, Wiederaufbau & Identität
Trotz der Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs und dem massiven gesellschaftlichen Wandel der Nachkriegszeit blieb der Apfelwein ein Symbol der hessischen Identität. In einer Zeit, in der vieles verloren ging, wurde der Ebbelwoi zum Anker des Lokalbewusstseins. Das Apfelweinfest, gegründet 1986, wurde schnell zu einem der beliebtesten Stadtfeste Frankfurts.
Heute
Renaissance & Moderne
Heute erlebt der Apfelwein eine neue Blüte. Junge Keltermeister experimentieren mit neuen Sorten, Reifeverfahren und sogar naturtrüben Bio-Varianten. Gleichzeitig besinnen sich viele auf die alten Traditionen. Apfelwein wird exportiert, prämiert und in internationalen Weinführern besprochen — ohne jedoch seinen ehrlichen, bodenständigen Charakter zu verlieren.
Der Apfelwein ist das flüssige Gedächtnis Hessens — jeder Schluck erzählt von Jahrhunderten gelebter Geschichte.“

Sachsenhausen — das Herz des Ebbelwoi

Der Bembel — ein Stück Geschichte
Der traditionelle Bembel-Krug aus grauem Steinzeug mit kobaltblauem Blumenmuster stammt ursprünglich aus dem Westerwald. Seit dem 19. Jahrhundert ist er das unverwechselbare Symbol der Apfelweinkultur — jede Wirtschaft hat ihren eigenen.
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