
Regionale Traditionen
Sachsenhausen &
der Geist des Ebbelwoi
Frankfurt ohne Apfelwein ist wie der Main ohne Wasser. In Sachsenhausen wurde der Ebbelwoi zur Lebensphilosophie — und die Wirtshäuser zu Tempeln der einfachen, ehrlichen Gemeinschaft.
Bräuche & Rituale
Was den Ebbelwoi ausmacht
Der Besen-Brauch
Eine der ältesten Traditionen: Wenn ein Apfelweinproduzent frischen Wein ausschenkt, hängt er einen Tannenzweig (Besen) oder Kiefernast über die Eingangstür. Dieses Zeichen signalisiert Passanten: Frischer Ebbelwoi ist da. Heute findet man diesen Brauch noch in manchen traditionellen Wirtschaften des Taunus.
Der Geripptes-Kult
Das Geripptes ist kein gewöhnliches Glas. Seine rautenförmige Rippung verleiht dem Glas Stabilität und dem Trinker Halt — ein Glas, das fürs Anstoßen gemacht ist. Traditionell wird es nie bis zum Rand gefüllt und immer mit dem charakteristischen "Schöppchen" (0,3 Liter) serviert.
Sachsenhausen — das Viertel
Das Stadtviertel Sachsenhausen auf der Südseite des Mains ist die eigentliche Heimat der Apfelweinwirtschaften. Enge Gassen, alte Fachwerkhäuser und das vertraute Klopfen der Geripptes-Gläser — wer hier entlangläuft, versteht, warum der Ebbelwoi mehr als ein Getränk ist.
Schorle & Sauergespritzter
Wer den reinen Apfelwein zu herb findet, greift zum "Sauergespritzten" (mit Mineralwasser) oder "Süßgespritzten" (mit Limonade). Letzteres ist besonders bei Nicht-Hessen oder an heißen Tagen beliebt — und wird von eingefleischten Ebbelwoi-Trinken mit einem milden Lächeln quittiert.
Gemeinschaft & Geselligkeit
In Apfelweinwirtschaften sitzen Fremde an gemeinsamen langen Holztischen. Man rückt zusammen, tauscht sich aus, kommt ins Gespräch. Der Bembel wandert von Glas zu Glas, und keiner bleibt lange fremd. Diese offene Geselligkeit — "Gemutlichkeit" auf Hessisch — ist tief in der Apfelweinkultur verwurzelt.
Die Kelterzeit im Herbst
Von September bis November ist die Zeit der Ernte und Kelterung. Alte Pressen werden in Betrieb genommen, frischer Most fließt — und die ersten "neuen" Apfelweine werden ausgeschenkt. Diese Jahreszeit ist für Hessen das, was die Weinlese für andere Regionen ist: ein Fest der Sinne und der Gemeinschaft.
Das Epizentrum
Alt-Sachsenhausen:
Pilgerstätte für Ebbelwoi-Liebhaber
Das Viertel Alt-Sachsenhausen ist eine der besterhaltenen historischen Stadtviertel Frankfurts. Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäuser und der unverwechselbare Duft von Apfelwein — hier hat sich seit Jahrzehnten kaum etwas verändert.
Entlang der Schweizer Straße, der Textorstraße und am Schaumainkai reihen sich Wirtschaft an Wirtschaft. Jede hat ihre eigene Geschichte, ihren eigenen Stamm — und ihren eigenen Bembel.

Klassiker
Die legendären Wirtschaften
Diese Apfelweinwirtschaften sind keine Restaurants — sie sind lebendige Kulturdenkmäler. Hier trinkt man nicht nur, hier gehört man dazu.
Zum Gemalten Haus
Schweizer Straße 67, Sachsenhausen
Eine der ältesten und bekanntesten Apfelweinwirtschaften Frankfurts. Das "Gemalte Haus" verdankt seinen Namen den farbenfrohen Wandmalereien, die die gesamte Fassade und den Innenraum schmücken. Seit über 200 Jahren ist es eine Institution für Einheimische und Besucher gleichermaßen.
Wagner
Schweizer Straße 71, Sachsenhausen
Wagner ist berühmt für seinen konsequent traditionellen Betrieb: Kein Bier, kein Wein — nur Apfelwein. Die Wirtschaft gilt als eines der authentischsten Beispiele echter Sachsenhäuser Gastkultur. Holzbänke, lange Tische und ein Bembel auf jedem Tisch — so muss es sein.
Dauth-Schneider
Neuer Wall 5–7, Sachsenhausen
Traditionelle Apfelweinwirtschaft mit großem Biergarten direkt am Mainufer. Im Sommer ist es kaum möglich, hier einen Platz zu bekommen — das "Dauth-Schneider" zieht Generationen von Stammgästen an und ist für viele Frankfurter der Inbegriff eines perfekten Sonntagnachmittags.
Lohninger
Schweizer Straße 1, Sachsenhausen
Eine moderne Interpretation der klassischen Apfelweinwirtschaft — hier trifft gehobene hessische Küche auf den unverwechselbaren Ebbelwoi. Für alle, die Tradition und Zeitgeist verbinden möchten.
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